Sonntag, 7. Februar 2016

Martin Stankowski: "Vom Ganzen des Glücks" - Buchrezension


united p.c Verlag, ISBN 978-3-7103-2308-9

Vier Novellen als Variationen zum Thema Frau und Mann

Vier Novellen, mit Vornamen von Frauen übertitelt (bis auf eine) und mit musikalischen Ausführungsangaben versehen:

Bianca – Allegro assai
Kordula – Allegro cantabile
Madeleine – Andantino espressivo
Ungenannt – Lento ma non troppo

Der Autor weist selbst darauf hin, dass er sich in der Tradition von Erich Kästner, Jeremias Gotthelf oder des weitgehend unbekannten Ulrich Bräker stehen sieht. Das ist bei den ersten Zeilen schon unverkennbar: Ha! da haben wir es mit einem Schweizer zu tun! Damit ergeben sich schon einmal einige Leseprobleme, die der Autor aber durchaus selbstkritisch ebenfalls in der Startnovelle anführt (um nicht davon zu schreiben, dass er sie zugibt). Es ist immer noch etwas leicht Exotisches in der Schriftsprache unserer westlichen Nachbarn und das hat durchaus seinen Reiz. Wobei ich gerne zugebe, es ermüdet auch mit der Zeit. So ist die ständige Vermischung der Wörter „als“ und „wie“ – sagen wir einmal so: anstrengend und schreit unwillkürlich nach einem Korrektor. Wie überhaupt das Buch leider unter dem Manko leidet, dass einige Fehler bei der Korrekturarbeit übersehen wurden (Seite 6 und 263). Ein professionelles Lektorat hätte das nicht durchgehen lassen. Wobei sich die Frage stellt: verfügt der ausführende Verlag über eine derartige Institution oder übernimmt dieser die Manuskripte, so wie sie eingereicht werden. Wir kennen das Problem, das die Autoren mit Kleinverlagen haben. Eine Betreuung, wie sie im klassischen Verlagswesen früher einmal üblich war, wird heute kaum mehr wahrgenommen. Wenn, dann nur in den Großverlagen und selbst bei diesen nur mehr für die Großschriftsteller. Es ist so, als Autor musst du dich heute um das komplette Lektorat kümmern, und alle anderen Verlagsaufgaben bis hin zur Vermarktung ebenso übernehmen. Dabei sind gerade die Kleinverlage nicht bereit (oder auch nicht mehr in der Lage), die Honorare für die Autoren entsprechend anzupassen. Es ist nichts bekannt, dass beispielsweise die Provisionen welche die Verlage üblicherweise für die Vertreter kalkulieren, den Autoren zu gerechnet werden, falls diese den Vertrieb selbst in die Hand nehmen.
Doch von den üblichen Beschwerden über den Literaturbetrieb zurück zu den vier Novellen, beginnen wir mit Bianca.

Eine ländliche Idylle irgendwo im Alpenvorland tut sich auf. Der biedere Arnold (Hallo, Schweizer, wir kennen ja den Willhelm Tell „unseres Friedrich Schiller“ da gibt es den Arnold von Melchtal, der sich auflehnt und zum Aufstand bereit ist), bewirtschaftet seinen Hof, so recht und schlecht gemeinsam mit seinen Eltern und dem Appenzellerhund Arnim. Ja, es stimmt, auch der Kuhreigen kommt vor, die Probleme des Hofübernehmers, der vor lauter Tagesarbeit kaum dazu kommt, sich nach „jemand umzuschauen“. Es ist daher unausweichlich, dass gerade Arnold einmal bei einer Exkursion der Landjugend seiner Gemeinde mitmacht und in die Disco verschleppt wird. Und das in der Disco der berühmte Blitz einschlägt verwundert auch nicht, auch wenn Schweizer Blitze mit Verzögerung zünden und es Wochen, ja Monate dauert, bis endlich Arnold sich seiner Angebeteten nähert. Doch zuviel sei nicht verraten, nur soviel: sie stammt aus gänzlich fernem Milieu: Landschaftsarchitektin, Einstieg in das väterliche Architekturbüro fix eingeplant, Amerikaaufenthalt dazwischen, Studienabschluss, alles plangemäß und Arnold siedet inzwischen im Saft seiner Sehnsucht. Biancas Vater fordert vehement die Mitarbeit der Tochter im Unternehmen, keine Chance je auf den Hof Arnolds zu leben. Wenn nicht, ja wenn nicht die Liebe wäre. Mehr sei nicht ausgeplaudert.

Da ist die Kordula anscheinend aus anderem Holz geschnitzt. Auch sie, eine Zufallsbekanntschaft, auch sie eine einzige Tochter eines reichen, erfolgreichen Elternpaares, das für Kordula jede Menge Pläne hat. Doch diese geht sehr bald ihre eigenen Wege lernt dabei den ehemaligen Schulfreund näher kennen, doch dabei bleibt es viele Jahre hindurch. Auch wenn der Schulfreund aus ihm selbst unverständlichen Gründen von Kordula-Conny als Trauzeuge zu deren Hochzeit eingeladen wird. Auch hier das Aufeinandertreffen mit dem dominanten Vater, der von dem zufälligen Trauzeugen noch weniger hält als vom frischen Schwiegersohn. Wie gesagt, lange Jahre vergehen bis zum nächsten Kontakt. Und da ist das Zusammentreffen so fürchterlich, das  Maurus tatsächlich den Boden unter den Füßen verliert. Kordula-Conny hat sich von der jugendlichen, knusprigen, attraktiven Frau in eine fette Vettel gewandelt. Alles an ihr wabbelt und schwabbelt, man sieht direkt auf den folgenden Seiten die Fettgebirge dahin wogen! Maurus bleibt nur die Erinnerung! Das war „seine“ Conny“? die damals, die so, die ... Ein Briefwechsel entsteht und nach geraumer Zeit erhält er von Conny eine Einladung zu einem Geburtstagsfest seiner Kordula-Conny in der Villa der Eltern hoch über dem Rhein gelegen – also sehr nobel, sehr teuer, sehr reich und erfolgreich. Und siehe da, Conny-Kordula hat sich in der Zeit des intensiven Briefwechsels neuerlich verändert. Und das sicher zu ihrem Vorteil. Lassen wir aber das Lesevergnügen offen, verrate ich nichts, was Conny für Metamorphose durchmachte. Es kommt, was kommen musste: Das Bett natürlich – nach langer langer Anlaufzeit, Maurus und Kordula, die Probleme mit dem Vater (natürlich), alles überwindet die Liebe – wenn man sie lässt!

Mit Madeleine lernen wir eine Frau kennen, die von sich selber sagte, dass sie nicht NEIN sagen könne. Da hat sie zum Glück in Thomas einen Wohnungsnachbarn, der die Zuvorkommenheit in Person ist. Es ist fast übermenschlich, was Thomas alles unternimmt, um seiner Nachbarin helfen zu können. Seitenweise denkt man als Leser, nun trägt der Autor aber schon sehr dick auf, da hätte ich schon längst, was weiß ich alles getan, zumindest den sprichwörtlichen „Hut draufgehaut“. Doch nein, Thomas macht auch das noch, organisiert auch jenes noch, nimmt Madeleine auf seine Geschäftsreisen mit (selbstverständlich mit getrennten Zimmern!), hilft ihr aus der Scheisse heraus. Aber die Liebe, sie hält einfach durch und sogar bei Schweizern, welche die Korrektheit in Person darstellen, kommt sie zum Durchbruch. Das nächste Happyend einer Novelle, wobei der Autor korrekt darauf hinweist, dass er gegen den Mainstream anschreibt und seine Novellen alle mehr oder weniger „gut ausgehen,“ er schildert sehrt wohl grausliche Vergangenheiten seiner Protagonisten, aber es gibt keine Leichen. Weder in den Kellern noch in den diversen Flüssen. Ja, die Novellen haben ein etwa gleiches Grundmaß, sie weichen vom Schwarz-Weiß Schema insoferne ab, als sie immer einen neuen Blickwinkel für das Geschehen darstellen.

Die letzte Novelle verrät den Namen der betreffenden Person, der Frau erst in der zweiten Zeile des letzten Absatzes. Hier wird eine Frau aus sehr einfachen Verhältnissen geschildert, die tief unten landet und trotzdem „hochkommt“ auch wieder mit Hilfe des großen Helfers, diesmal heißt er Joachim, der für die ungenannte ihr ein und alles darstellt. Man könnte meinen, das ist nun genug an selbstloser Hilfe, mehr kann man nicht mehr erwarten, mehr darf und kann man nicht mehr schreiben. Fallweise drängt sich sogar ein bösartiger Vergleich beim (männlichen) Leser auf: Diese beschriebenen vier Männer sind alle ausnahmslos so grundgütig, selbstlos und was weiß ich noch alles, dass dies fast wie eine ganz subtile Art von Machismo klingt. Nein, das ist sicher nicht die Absicht des Autors, das will ich keinesfalls unterstellen. Aber ein wenig so, dass die drei letzten Frauen ohne die helfende, liebende, beschützende Hand des Mannes ganz schön blöd aussehen würden, dieser Eindruck lässt sich nicht so ohne weiteres verdrängen. Ohne dabei dem Autor unrecht zu tun, aber einmal mit der Faust auf den Tisch zu hauen, würde auch einem biederen Schweizer gut anstehen.

Martin Stankowski lebt in St. Margarethen in der Ostschweiz und in St. Florian in Oberösterreich. Er kommt eigentlich aus der Architektur und fand spät zur Literatur, auch als Vermittler von Architektur im ländlichen und zwischen-städtischem Bereich. Erste literarische Arbeiten in Zeitschriften, Anthologien (auch im „Reibeisen“ des Europa Literaturkreises Kapfenberg) bis zu einem Roman im Jahre 2010 „Die geöffnete Tür“.
Martin Stankowski teilt das Schicksal vieler „spätberufener“ Autoren, sie treten in einem Alter an die Öffentlichkeit, wo die Verlage dankend abwinken und sagen (mehr oder weniger deutlich oder verklausuliert) „in ihrem Alter lohnt sich eine Investition in einem Autor als Newcomer nicht mehr“ Damit sind sie auf oftmals obskure Verlage angewiesen, deren Leistungen in keinem Verhältnis zu den Kosten und Erwartungen stehen. Das ist wirtschaftlich begreiflich, literarisch aber ein Verlust von wertvollen Autoren und Werken.

Hans Bäck

Europa Literaturkreis KAPFENBERG

Jänner 2016

Veranstaltungshinweise des ELKK für März 2016




Haiku – Abend

Ein "Arbeitsabend" für Freunde japanischer Lyrik- und Kurzprosaformen.
Auch Besucher sind eingeladen, Texte mitzubringen, zu lesen,
darüber zu diskutieren, zu philosophieren . . .

Termin:           Dienstag, 8. März 2016
Beginn:           19:00 Uhr
Ort:                 KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock




Literaturcafé

Gespräche über literarische Gedenktage, Vorstellung neuer Bücher, u. v. m.
Diesmal besprechen wir u. a. Leben und Werk von Anna Achmatowa (50. Todestag), und Marie von Ebner-Eschenbach (100. Todestag).
Natürlich besteht auch für Gäste die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren vorzustellen.

Termin:           Donnerstag, 17. März 2016
Beginn:           18:00 Uhr
Ort:                 KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock


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PS: Der jeweils am ersten Donnerstag eines Monats stattfindende „Offene Leseabend“ entfällt im März. Trotzdem ergeht die Einladung, am 03.03.2016 um 19:00 Uhr ins KUlturZentrum Kapfenberg zu kommen.
Dr. Erich Glavitza präsentiert Geschichten und Anekdoten vom „Monaco Grand Prix am Thörlbach“.

















Für Rückfragen: Sepp Graßmugg  0664/4238514  josef.grassmugg@aon.at

Freitag, 8. Januar 2016

Symphonie Nr. 38 in D-Dur KV 504



von Insa Segebade

Mozart ist Weihnachten. An diese einfache Formel aus Kindertagen musste ich denken, als ich irgendwann im vergangenen Herbst Mozarts "Prager Symphonie" hörte. Es war in einer dieser romanischen Kirchen mit runder Apsis, langgezogenem Hauptschiff und zwei Seitenarmen mit Wänden aus Klosterformatsteinen und Muschelkalk, in der ich das Konzert schon einmal gehört hatte. Damals, vor mehr als zwanzig Jahren stand eine große Tanne, wahrscheinlich war es doch eine Fichte, links neben der Kanzel. Die Spitze reichte bis zum Kreuzgewölbe des Chors hinauf. Strohsterne, im Kindergottesdienst gebastelt, rote Äpfel, bunte Glaskugeln und weiße Kerzen schmückten die Zweige. Es war der zweite Weihnachtstag, und es war kalt. Ich saß zwischen meinen Eltern auf diesen unbequemen Kirchenbänken mit den senkrechten Rückenlehnen und wünschte, das Konzert möge endlich beginnen. Umso eher wäre ich wieder zu Hause. Und dann, nachdem der Dirigent endlich seinen Taktstock gehoben hatte, verging die Zeit schneller, als ich zu hoffen gewagt hatte. Es waren die dynamischen Wechsel vom forte zum piano - laut und leise, mit meinem damaligen Vokabular ausgedrückt -, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind und die eingeworfenen Bläsersätze im andante, feierlich, ernst, zugleich düster und unheimlich. Wie Stimmen, deren Ursprung nicht im Diesseits liegt. So etwas Schönes konnte es natürlich nur zu Weihnachten geben. Mozart - das war in Kindertagen fortan ein zusätzlicher Grund, sich auf Weihnachten zu freuen. 




Europaliteraturkreis Kapfenberg - Newsletter 1/2016

Liebe Mitglieder,
liebe Freunde des "Europa-Literaturkreis Kapfenberg"!

Herzlich willkommen im neuen Jahr!

Im Zwei-Jahres-Rhythmus finden in den Literaturhäusern der österreichischen Landeshauptstädte Regionalversammlungen der IG Autorinnen Autoren statt.
Für die Steiermark wurde der 15. Jänner 2016, 19:00 Uhr fixiert (Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30).
Eingeladen sind alle Autorinnen und Autoren der Steiermark, unabhängig davon, ob sie Mitglied bei der IG Autorinnen Autoren oder bei anderen Autorenverbänden sind.
Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, wird bei dieser Gelegenheit über Rechtsfragen im Literaturbetrieb, Fördermöglichkeiten, Serviceangebote der IG, den geplanten Verkauf des Wiener Funkhauses u. a. informieren.
Weiters steht die Wahl/Bestätigung der Steiermark-Delegierten für die Generalversammlung am 27./28. Februar 2016 in Wien auf der Tagesordnung.
Vielleicht sehen wir uns bei dieser Gelegenheit. Ich werde auf jeden Fall hinkommen.
Titus Lantos hat kürzlich seinen Roman "Wolfszeit und Lämmerfrühling", eine donauländische Familiensaga, herausgebracht.
Am Donnerstag, dem 21. Jänner 2016 um 17:30 Uhr wird er das Buch in der Steiermärkischen Landesbibliothek in Graz (Raubergasse 10) präsentieren. Auch dazu die herzliche Einladung.


Für alle Mitglieder und Interessierten in und um Kapfenberg:
Die „Weihnachtsferien“ neigen sich dem Ende zu. Am Donnerstag, dem 7. Jän. 2016 treffen wir uns wieder um 19:00 Uhr im Klubraum zum ersten „Offenen Leseabend“ des heurigen Jahres.


Sollten zwischendurch Fragen auftauchen – bitte melden.
Kontakt: s. Impressum oder josef.grassmugg@aon.at

Herzliche Grüße
Sepp Graßmugg

Rüdiger Mendel "Gedankenflüge"



Buchbesprechung

Lyrik im Eigenverlag, Herstellung: Druck-Express Tösch GmbH, A-8650 Kindberg, 2015,
84 Seiten mit Bildern von Helmut Königshofer

Oft müht man sich durch hunderte Textseiten, um Länder – vom eigenen Umfeld bis hin zu exotischen Weltgegenden – kennen zu lernen.
Oft bedarf es der Lektüre umfangreicher Schmöker, um Zugang zu verschiedenen Glaubensrichtungen und Einblicke in mythologische Geheimnisse zu erhalten.

Rüdiger Mendel ist es gelungen, diese und andere Themen in komprimierter Form verständlich zu beschreiben.
Meist bedient er sich dabei der Form des Haiku, jener aus Japan stammenden siebzehn-silbigen Gedichtform, die sich längst auch im deutschsprachigen Raum etabliert hat.
Bei Bedarf werden die literarischen Texte durch Fußnoten ergänzt.

Auch wenn es Gedichte gibt, die „naturgemäß“ eine negative Aussage beinhalten, weil eben auch problematische Themen angesprochen werden – die positive Lebenseinstellung des Autors spiegelt sich in zahlreichen Texten wider. Hier eines der Beispiele:

Glücklich sein

Mohn glüht errötend.
Gratis mitfahren auf dem
Wolkensegelschiff.

Eine Symbiose zu den Texten von Rüdiger Mendel bilden die „lyrischen Zeichnungen“ von Helmut Königshofer.



Josef Graßmugg