Dienstag, 29. November 2016

Adventskalender: Dienstag, der 29.11.2016

Den heutigen Tag im Adventskalender gestaltete unsere Anna Aldrian mit ihrem Bild- und Textbeitrag!




„Was meine Ruhe störet,
erlaube nicht, o Herr!“ – ein Kirchenlied, das meine Urgroßmutter mit zitternder Inbrunst gesungen hat,  von mir als jungem Mädchen herablassend belächelt als Inbegriff von Stillstand und Spießbürgertum. Aus einem längst vergangenen Jahrhundert.
Längt vergangen? Was stört unsere Ruhe? In neun von 10 Fällen ist die Antwort: „Die Flüchtlinge“. Sie stören nicht ersaufend im Mittelmeer, erfrierend am Hindukusch und an Cholera krepierend in den Lagern im südsudan, aber hier bei uns, da stören sie.
„Was unsere Ruhe störet, erlaube nicht, Herr Trump!“ dachte die Hälfte der US-Amerikaner und votierte für eine Betonmauer die ganze südliche Staatsgrenze entlang.

Da gab es einen, der hat die fromme Ruhe eines sittsamen Mädchens ganz empfindlich gestört. Gabriel, der Engel. Wer die Verkündigungsszene von Botticelli aus dem 15. Jh. betrachtet, dem springen die ausdrucksvoll abwehrenden Hände der Jungfrau Maria in die Augen. Trotzdem sagte sie „Es geschehe!“, im festen Vertrauen darauf, dass der, der die Ruhe stört auch die Kraft gibt, daraus Gutes und Großes entstehen zu lassen.

Montag, 28. November 2016

Adventskalender: Montag, der 28.11.2016



Günther Roth hat nachstehenden lyrischen Text von Georg Trakl zum Adventskalender beigesteuert.


Ein Winterabend  3. Strophe

Wanderer tritt still herein
Schmerz versteinerte die Schwelle
da erglänzt in reiner Helle
auf dem Tische Brot und Wein

Georg Trakl 1914/15

Sonntag, 27. November 2016

1. Adventssonntag 2017



Liebe Leser,
auch in diesem Jahr gibt's wieder einen Adventskalender. Nur mit dem Unterschied:
Dieser wird nur vollständig sein, wenn ihr, liebe Leser, die entsprechende Anzahl von Beiträgen (Gedichte, Kurzgeschichten, usw.) mir zur Veröffentlichung übersendet. Gerne werden auch Bilder wie Fotos angenommen, nur für diese müsst ihr dann auch die Bildrechte besitzen.

In diesem Sinne:
Einen schönen 1. Adventssonntag

marthe. countdown
v. Dagmar Weck

In frühem, Geborgenheit bietendem Dunkel dieses Adventabends schließt Phil die Tür seines Hauses auf, zwei leuchtende Nikolausgesichter, gefangen in einer übergroßen Plastikkugel, lächeln ihm im Flur des Hauses zu.
„Du kommst spät, Phil, wieder einmal“, Marthe ruft aus dem Wohnzimmer , zwei Nuancen zu laut, „wir müssen mir den Vorbereitungen für Heiligabend fertig werden, es wird höchste Zeit.

„Bis dahin haben wir noch zwei Wochen Zeit, meine Gute“, Phil berührt die mageren Ärmchen von schneeweißen Kunsttannenbäumchen, die hinter einander auf dem Fußboden stehen und ihm auf dem Weg zu Marthe Geleit geben. Armselig täuschen die Bäumchen Schnee vor, den sie niemals spüren werden.
„Stell bitte das Rentier auf die Terrasse, Schatz“, Marthes Stimmlage erwärmt das Wohnzimmer nicht, in das Phil eintritt.
„Lass mich erst mal was essen“, Phil küsst Marthe, doch auch der Kuss kann keine Herzenswärme in dieses Haus hineintragen.
„Dein Essen musst du in der Mikrowelle wieder warm machen“, Marthe hängt noch eine sehr große goldenen Christbaumkugel an die grüne Kunststofftanne im Wohnzimmer, „die letzte Kugel befestige ich, ist unsere Tanne nicht wunderschön?“

„Sie ist überladen, du hast sie so zugehängt, dass die einzelnen Kugeln ihren Glanz nicht mehr zur Wirkung bringen können, Marthe, heute hatte ich ziemlichen Stress in der Kanzlei, einen komplizierten Fall habe ich angenommen, es geht um Unterschlagung, der junge Klient, der sich mir anvertraut hat, wird immer wieder rückfällig.“
 „Lass deine Sorgen bitte draußen, mein Schatz, wir werden ein besonders festliches Weihnachten haben, das Fest der Liebe, Phil.“
Phil setzt die Mikrowelle in Betrieb, Marthe ist ihm in die Küche gefolgt. „Das Menu für den Heiligen Abend habe ich entworfen, in diesem Jahr wird es sehr edel, so etwas hast du noch nicht gegessen, sieben Gänge plane ich, dazu gibt es sieben verschiedene Weine, sieben, mein Phillip.“
Phil schweigt.
 „Ich lade Jackie und Leroy ein, sie sind unsere engsten Freunde und sollen teilhaben an unserer Liebe, sie sollen sich bei uns sicher fühlen, Phil.“
 Tief, sehr tief unter diesen beinahe geschrieen Worten von Marthe hört Phil eine ihm fremde Marthe. Zu Weihnachten kommen auch Fremde ins Haus, die klopfen an und bitten um eine Herberge, das macht sie froh.
Marthe küsst Phil, der ihren Kuss nicht mehr erfühlt.
„Die goldenen Kugeln an unserer Tanne im Wohnzimmer habe ich neu gekauft, sie sind unzerbrechlich, an unserem Heiligabend kann nichts passieren, von neuen Tellern werden wir auch essen, Teller mit goldroten Engelchen habe ich gekauft.

„Jackie und Leroy kommen auch in diesem Jahr nicht zu uns, Marthe“, Phil isst seinen heißen Lachs, der ihm schmeckt, „ist gut, der Lachs!“ Marthe schaut ihn froh an. „Unser siebengängiges Menu wird Stunden dauern, mein Lieber, wir machen es uns gemütlich, da bin ich sicher.“
„Nach den Weihnachtstagen zerbrechen viele Beziehungen, Marthe.“ Sie sieht an Phil vorbei.
„Dort sind sie, die Engelteller“, sie zeigt auf ein Paket mit mindestens zwölf Tellern.
„Wir sind am 24. Dezember allein“, in Phil ereignet sich der Zorn der Vorweihnachtszeit.
„Nein“, diesmal nicht, Leroy und Jackie haben zugesagt, sie kommen, Phil, sieh doch
die Wirklichkeit.“
„Wo ist sie, unsere Wahrheit, Marthe?“
„Wir werden ein  harmonisches Fest haben, wir haben doch so viel erreicht, Liebster,
wir haben Sicherheit, , wir gehören zusammen!“ „Marthe, was ist geschehen?“
Marthe verlässt die Küche und Phil, der allein zurückbleibt.
Er hört nach einer Weile ein schleifendes Geräusch auf der Terrasse, dem er sich nähert.
Marthe zieht ein eisblau erleuchtetes beinahe frauengroßes Rentier, an dem ein dunkelrot erstrahlender gewaltig großer Schlitten hängt , auf die Terrasse.
„Was soll das?“ Phil zeigt auf die kleinen Rentiere , die bereits in ihrem goldenen Licht auf der Terrasse ihren festen Platz eingenommen haben.

Marthe antwortet nicht.
„Ich gehe mal zum Kiosk, bin gleich wieder da.“ Phil lässt Marthe allein, einen Abschiedskuss gibt es nicht.
Marthe hört die Haustür zufallen und hält sich an ihrem heißgeliebten RiesenRentier fest.
Sie sieht Phil die wenigen Schritte über die Straße bis zum Kiosk gehen. Genau davor bleibt er stehen, ein Wagen hält, in den Phil einsteigt.
Er muss sicher noch Weihnachtsgeschenke abholen,“ spricht Marthe in die späte, mit strahlenden Sternen geschmückte Stunde hinein und schaut das Auto an.
Am Steuer des Wagens sitzt ein Mann, der aussieht wie Leroy. Ihn hat Marthe seit Monaten nicht gesehen, vom Reden ganz zu schweigen. Auch Jackie lässt nichts mehr von sich hören.
Marthe geht noch einmal die Planung ihres Menus durch. Exakt für vier Personen.


Samstag, 26. November 2016

Veranstaltungskalender des ELKK für Dezember 2016







Offener Leseabend

Mitglieder des Europa-Literaturkreises Kapfenberg lesen neue Texte. Anschließend besteht die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre darüber zu diskutieren.
Auch die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung sind eingeladen eigene Texte mitzubringen, zu lesen und gemeinsam zu besprechen.

Termin:           Donnerstag, 01. Dez. 2016
Beginn:           19:00 Uhr
Ort:                 KUlturZentrum Kapfenberg, Mürzgasse 3 / 2.Stock
Eintritt:             Frei


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Adventstunde

Serviert werden vorweihnachtliche Musik- und Textstücke!

Lesung:  Sepp Graßmugg
Musikalische Gestaltung:  Klarinettenmusik Trafella


Termin:           Samstag 10. Dez. 2016
Beginn:           18:30 Uhr
Ort:                 Café Grizzlybär, Kapfenberg, Werk VI Straße 4
Eintritt:             Frei


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Adventlesung

Eine Benefizveranstaltung zu Gunsten der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe
Bruck-Kapfenberg.

Lesung:  Sepp Maier, Ruth Barg, Eva Meierhofer, Klaus Vorhauer
Musikalische Gestaltung:  Klarinettenmusik Trafella


Termin:           Dienstag 13. Dez. 2016
Beginn:           18:00 Uhr
Ort:                 NTK (Neurologisches Therapiezentrum Kapfenberg), Anton Buchalka Straße 1
Eintritt:             Freiwillige Spende




Für Rückfragen: Sepp Graßmugg  0664/4238514  josef.grassmugg@aon.at

Dienstag, 27. September 2016

Buchbesprechung: "Schaukelnd im grünen Atem des Meeres



Gedichte
von Irène Bourquin
Waldgut Verlag,  8500 Frauenfeld CH
ISBN 978-3-03740-655-7



Die Machart der Bücher aus dem Waldgut-Verlag habe ich bereits einmal erwähnt (Besprechung des Gedichtbandes von Ivo Ledergerber), ich stehe aber nicht an, hier zu wiederholen: Es zeigt auch den Respekt eines Verlages vor seinen Autoren, wie die Bücher „auf den Markt“ gebracht werden. Das ist neben allen geschäftlich-wirtschaftlichen Voraussetzungen auch ein Alleinstellungsmerkmal. Die handwerklich perfekte Machart – auch dieses Buches – erfreut den Leser. Ein Vergnügen, ein gut und schön gemachtes Buch in Händen zu halten. Naturgemäß schlägt sich das auch im Preis nieder, den Qualität kostet eben. Dafür hat „man“ etwas in der Hand, das auch haptisch und optisch ansprechend ist.
Doch nun zu den Gedichten von Irène Bourquin. Eine schon etwas reifere Autorin, die erst relativ spät mit dem Schreiben begann, wie man das auf der Homepage der Autorin verfolgen kann. Aber es ist erwartbar, dass eine Vielreisende, wie den Titeln der Gedichte zu entnehmen ist, die Landschaften, Städte, Begegnungen in ihrer Lyrik erfasst. Natürlich könnte man sofort beckmesserhaft einwenden, ach ja, die Reiseerinnerungen, den ersten Seestern am Strand, den Sonnenuntergang an der Cote d’Azur, die Liebesküsse unter Platanen, und was es an Klischees alles gibt.  Doch nein, das erspart die Autorin dem Leser. Wenn auch schon einmal die Brandung donnern muss, der bleiche Halbmond oder die einsame Möwe vorkommt, dem Rezensenten, der den meisten Adjektiven in der Lyrik herzlich abgeneigt ist, fällt es halt dann schwer, diese Stellen nicht anzustreichen. Doch, wenn sie im Zusammenhang mit den Textbild stehen, werden sie sogar für mich tolerierbar (und das will schon was heißen!!). Darüber im Rahmen einer Rezension zu diskutieren, ist aber nicht angemessen, es genügt, das es festgehalten ist. Ja, es gibt auch diese Zeilen, wo wunderschöne Bilder (wie im Val Bavona Gedicht) vorkommen, aber in Form von Prosasätzen aneinander gereiht sind. Macht die Strophenform ein Gedicht aus, oder sollte nicht die Poesie auch in den einfachen Sätzen, Bilder durchscheinen? Viele Stellen, viele Gedichte als Ganzes, zeigen, dass die Autorin dies sehr wohl beherrscht, sogar perfekt die Poesie sprechen lässt: Als Beispiel seien hier nur die Gedichte unter dem Titel Cavaliere (Seite 30, 31, 32) oder Porquerolles (Seite 33) angeführt. Das IST Poesie! Sehr schön und begeisternd! Ein Beispiel für einen Prosasatz, der trotzdem unglaublich poetisch ist: Im Mistral/stehen nur/die Windmühlen/stramm/die Bäume/verneigen sich/alle. Da ist es schwierig, das gebe ich gerne zu, diese Poesie noch zu vertiefen, es wäre aber bei dem Können der Dichterin Versuche wert.
Ein Gedichtband mit 60 Seiten ist natürlich mit € 28,- ist nicht gerade wohlfeil, jedoch die Schönheit der Gedichte korreliert bestens mit der gediegenen handwerklichen Machart des Buches – ich würde es unter „Volltreffer“ einreihen.

Hans Bäck