Samstag, 10. Dezember 2016

Adventskalender: Samstag, der 10. Dezember 2016






    
                                                                    marthe. countdown
                                        v. Dagmar Weck

In frühem, Geborgenheit bietendem Dunkel dieses Adventabends schließt Phil die Tür seines Hauses auf, zwei leuchtende Nikolausgesichter, gefangen in einer übergroßen Plastikkugel, lächeln ihm im Flur des Hauses zu.
„Du kommst spät, Phil, wieder einmal“, Marthe ruft aus dem Wohnzimmer , zwei Nuancen zu laut, „wir müssen mir den Vorbereitungen für Heiligabend fertig werden, es wird höchste Zeit.

„Bis dahin haben wir noch zwei Wochen Zeit, meine Gute“, Phil berührt die mageren Ärmchen von schneeweißen Kunsttannenbäumchen, die hinter einander auf dem Fußboden stehen und ihm auf dem Weg zu Marthe Geleit geben. Armselig täuschen die Bäumchen Schnee vor, den sie niemals spüren werden.
„Stell bitte das Rentier auf die Terrasse, Schatz“, Marthes Stimmlage erwärmt das Wohnzimmer nicht, in das Phil eintritt.
„Lass mich erst mal was essen“, Phil küsst Marthe, doch auch der Kuss kann keine Herzenswärme in dieses Haus hineintragen.
„Dein Essen musst du in der Mikrowelle wieder warm machen“, Marthe hängt noch eine sehr große goldenen Christbaumkugel an die grüne Kunststofftanne im Wohnzimmer, „die letzte Kugel befestige ich, ist unsere Tanne nicht wunderschön?“

„Sie ist überladen, du hast sie so zugehängt, dass die einzelnen Kugeln ihren Glanz nicht mehr zur Wirkung bringen können, Marthe, heute hatte ich ziemlichen Stress in der Kanzlei, einen komplizierten Fall habe ich angenommen, es geht um Unterschlagung, der junge Klient, der sich mir anvertraut hat, wird immer wieder rückfällig.“
 „Lass deine Sorgen bitte draußen, mein Schatz, wir werden ein besonders festliches Weihnachten haben, das Fest der Liebe, Phil.“
Phil setzt die Mikrowelle in Betrieb, Marthe ist ihm in die Küche gefolgt. „Das Menu für den Heiligen Abend habe ich entworfen, in diesem Jahr wird es sehr edel, so etwas hast du noch nicht gegessen, sieben Gänge plane ich, dazu gibt es sieben verschiedene Weine, sieben, mein Phillip.“
Phil schweigt.
 „Ich lade Jackie und Leroy ein, sie sind unsere engsten Freunde und sollen teilhaben an unserer Liebe, sie sollen sich bei uns sicher fühlen, Phil.“
 Tief, sehr tief unter diesen beinahe geschrieen Worten von Marthe hört Phil eine ihm fremde Marthe. Zu Weihnachten kommen auch Fremde ins Haus, die klopfen an und bitten um eine Herberge, das macht sie froh.
Marthe küsst Phil, der ihren Kuss nicht mehr erfühlt.
„Die goldenen Kugeln an unserer Tanne im Wohnzimmer habe ich neu gekauft, sie sind unzerbrechlich, an unserem Heiligabend kann nichts passieren, von neuen Tellern werden wir auch essen, Teller mit goldroten Engelchen habe ich gekauft.

„Jackie und Leroy kommen auch in diesem Jahr nicht zu uns, Marthe“, Phil isst seinen heißen Lachs, der ihm schmeckt, „ist gut, der Lachs!“ Marthe schaut ihn froh an. „Unser siebengängiges Menu wird Stunden dauern, mein Lieber, wir machen es uns gemütlich, da bin ich sicher.“
„Nach den Weihnachtstagen zerbrechen viele Beziehungen, Marthe.“ Sie sieht an Phil vorbei.
„Dort sind sie, die Engelteller“, sie zeigt auf ein Paket mit mindestens zwölf Tellern.
„Wir sind am 24. Dezember allein“, in Phil ereignet sich der Zorn der Vorweihnachtszeit.
„Nein“, diesmal nicht, Leroy und Jackie haben zugesagt, sie kommen, Phil, sieh doch
die Wirklichkeit.“
„Wo ist sie, unsere Wahrheit, Marthe?“
„Wir werden ein  harmonisches Fest haben, wir haben doch so viel erreicht, Liebster,
wir haben Sicherheit, , wir gehören zusammen!“ „Marthe, was ist geschehen?“
Marthe verlässt die Küche und Phil, der allein zurückbleibt.
Er hört nach einer Weile ein schleifendes Geräusch auf der Terrasse, dem er sich nähert.
Marthe zieht ein eisblau erleuchtetes beinahe frauengroßes Rentier, an dem ein dunkelrot erstrahlender gewaltig großer Schlitten hängt , auf die Terrasse.
„Was soll das?“ Phil zeigt auf die kleinen Rentiere , die bereits in ihrem goldenen Licht auf der Terrasse ihren festen Platz eingenommen haben.

Marthe antwortet nicht.
„Ich gehe mal zum Kiosk, bin gleich wieder da.“ Phil lässt Marthe allein, einen Abschiedskuss gibt es nicht.
Marthe hört die Haustür zufallen und hält sich an ihrem heißgeliebten RiesenRentier fest.
Sie sieht Phil die wenigen Schritte über die Straße bis zum Kiosk gehen. Genau davor bleibt er stehen, ein Wagen hält, in den Phil einsteigt.
Er muss sicher noch Weihnachtsgeschenke abholen,“ spricht Marthe in die späte, mit strahlenden Sternen geschmückte Stunde hinein und schaut das Auto an.
Am Steuer des Wagens sitzt ein Mann, der aussieht wie Leroy. Ihn hat Marthe seit Monaten nicht gesehen, vom Reden ganz zu schweigen. Auch Jackie lässt nichts mehr von sich hören.
Marthe geht noch einmal die Planung ihres Menus durch. Exakt für vier Personen.


Freitag, 9. Dezember 2016

Adventskalender: Freitag, den 9. Dezember 2016




Bildrechte bei Manfred Kolb
Der Friesenbaum

Der etwas andere Tannenbaum: der Friesenbaum
von Manfred Kolb

Ein Heimatforscher an der Westküste Schleswig-Holsteins erzählte uns vor einigen Jahren die Geschichte vom Weihnachtsbaum der Friesen, dem
sog. Friesenbaum. Wenn die Halligen in der stürmischen Herbst- und Winterzeit vom Festland völlig abgeschnitten waren, konnten die Halligbewohner
das Weihnachtsfest nicht mit dem auf dem Festland schon verbreiteten geschmückten Tannenbaum begehen: Tannen oder Fichten wuchsen auf den Warften (Wurten) nicht und ein Transport vom Festland her war witterungsbedingt nicht möglich.
So kamen Halligbewohner auf die Idee, sich aus den regelmäßig bei Sturmfluten angeschwemmten Hölzern einen Tannenbaum aus Holz
zu bauen: ein längeres Holz diente dabei als Stamm, an dem mehrere kleinere Hölzer wie Äste eines Tannenbaums befestigt wurden. Dieser seit Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchliche sog. Friesenbaum wurde mit einem roten Farbanstrich versehen und mit einer außen umlaufenden grünen Girlande aus Buchsbaum geschmückt. Buchsbaum wurde nämlich auf den Halligen als Windschutz für die kleinen Gemüsegärten als umlaufende Hecken angepflanzt.
Der Stamm des Friesenbaums wurde übrigens mit einer Ranke aus grünem Efeu umwickelt, während man die Querhölzer mit Weihnachtskugeln, Engeln, Heiligen, Tierfiguren, Sternen, Gebäck und Nüssen behängte. Auf den „Ästen“ stellte man Kerzen auf, wo auch die geschnitzten Krippenfiguren Platz fanden. Dieser „Friesenbaum“ erfreute sich im Laufe der Jahrhunderte immer größerer Beliebtheit auf den Halligen, auf den Inseln und in abgelegenen Gegenden Nordfrieslands.

Heute zählt der Friesenbaum zum Brauchtum der Friesen und ist inzwischen auch auf dem Festland weit verbreitet.

Auch wir haben uns aus Leimholz einen Friesenbaum gebastelt, der uns zu jedem Weihnachtsfest mit seinem Schmuck und dem warmen Licht der Kerzen erfreut.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Adventskalender: Donnerstag, der 8. Dezember 2016







Bildrechte bei: Marlies Strübbe-Tewes

Kater Ernies Weihnachtstraum
von Marlies Strübbe-Tewes

Stundenlang zieht er durchs Haus
der Bratenduft vom Weihnachtsschmaus.
Truthahn, zart und mild gegart
mit Füllung nach des Hauses Art.

 Menschen glauben stets daran,
dem Braten nichts passieren kann.
Alles sei für sie gemacht,
doch Katerkumpels, nun gebt acht:

Geduldig warten …

 Wenn alle singen unterm Baum,
schleich ich sachte durch den Raum,
der Knusperbraten lockt mich an,
und ich zeige, was ich kann:

Mein leises Schmatzen hört man  kaum,
es erfüllt sich jetzt − mein Katertraum!
Den Truthahn −
 oh  Weihnachtsglück,
    zerleg’ ich −
Stück für Stück!



Mittwoch, 7. Dezember 2016

Adventskalender - Mittwoch der 07.12.2016



Advent in Kapfenberg
Bildrechte bei: Josef Graßmugg


Weihnacht jedes Jahr
von Josef Graßmugg

Wie das Feuer Wärme gibt,
und ein Kraftwerk Energie.
Wie der Wald den Sauerstoff,
es erscheint oft wie Magie.

Wie das Eis die Zeit anhält,
alles Dasein tiefgekühlt.
So wie Wasser Leben gibt,
und der Mensch die Liebe fühlt.

Wie die Hoffnung Kraft verleiht.
Viele Träume werden wahr.
Weil der Glaube überlebt,
wird es Weihnacht jedes Jahr.