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Mittwoch, 1. Januar 2014

Prosit Neujahr!





Allen Literaturfreunden und Lesern unseres Blogs wünsche ich ein gutes und friedvolles Neues Jahr!



Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit.

Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808), Mutter v. Johann Wolfgang von Goethe

Dienstag, 24. Dezember 2013

24. Dezember - Adventskalender 2013



weihnachten 2013


am geweissagten ort
die verlassenen felder
am wüstenrand
und das manna vom
himmel geschüttet
auf der wanderung
voll kargnis

wieviele feuersäulen
brauchte es bis zum
verheißenen land
wieviele dornbüsche
und geteilte meere -

die hirten aber
folgten dem stern
von bethlehem

der sie zu glauben lehrte
an des engels verheißung



Manfred Friedrich Kolb

Montag, 23. Dezember 2013

23. Dezember - Advent 2013



Rückschau


Abendstunden im Advent,
keine einz’ge Kerze brennt.
Apfelbrutzeln gibt’s nicht mehr.
D’ Weihnacht, ist sie eine Mär,
die ich noch als Kind erlebte,
da ich hoffte und auch bebte,
dass der Christkindbrief verschwand?
Dass ich dies vor’m Christbaum fand,
das ich lange Zeit ersehnt?
Wirklichkeit, hinaus gelehnt!
Kann es wirklich nicht beschreiben
wie Erinnerungen bleiben.
Sehnsuchtsvoll stehn sie im Raum.
Andere, die sehn dies kaum,
weil die Kargheit sie nicht drückte,
die uns seinerzeit beglückte!

Ein Versuch dies all zu checken
heißt: Weihnachten neu zu entdecken
mit wenig Stress, viel Herzlichkeit,
mit Schenken ohne Wertigkeit,
dass jeder an den Andern denkt,
ihm Liebe und Verständnis schenkt;
auch ans Verzeih’n gehört gedacht
in dieser heil’gen Weihnachtsnacht!


Richard Mösslinger

Sonntag, 22. Dezember 2013

22. Dezember - Advent 2013



Christkind erledigt

 


es gäbe kein christkind hätte ich gesagt 

sagen sie im kindergarten aber 

das glaube ich nicht in wahrheit hat sich der 

nikolaus voriges jahr umgezogen vor den kindern 

damit keines angst hat wenn es einen stiefel 

geschenkt bekommt und sie haben alle zugeschaut

wie er sich verkleidet hat den bart angeklebt 

die haube aufgesetzt der vater von einem 

der kinder sagt der bub es gibt kein christkind 

weil der vater und seine mutter weihnachten nicht 

miteinander verbringen 


Manfred Chobot

Samstag, 21. Dezember 2013

21. Dezember - Advent 2013




Nur eine Rose als Stütze




Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft
unter den Akrobaten und Vögeln:
mein Bett auf dem Trapez des Gefühls
wie ein Nest im Wind
auf der äußersten Spitze des Zweigs.



Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolle
der sanftgescheitelten Schafe die
im Mondlicht
wie schimmernde Wolken
über die feste Erde ziehen.



Ich schließe die Augen und hülle mich ein
in das Vlies der verläßlichen Tiere.
Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spüren
und das Klicken des Riegels hören,
der die Stalltür am Abend schließt.



Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.



Hilde Domin (1909 – 2006)
(ausgesucht vom Lyrikkreis Penzberg - Adventskalender 2013)