Posts mit dem Label Sonntagsgedicht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sonntagsgedicht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 10. September 2016

Das Sonntagsgedicht



Angeln

Flachhalten laut Angabe
nur nicht zu viel
eben glitschig Fisch

verwenden traurige Köder
nicht die Eigenen
Fisch reagiert empfindlich

ungewisse Erwartung
des Unangenehmen
sie reagieren reizbar
tauchen ab

in langen Sätzen werfen
die Angler neue Ohrwürmer aus
aber die Fische beißen nicht mehr

© HK®intelen  18.08.2016   (82)

Sonntag, 7. Februar 2016

Sonntagsgedicht: 07.02.2016 - Faschingssonntag



Uns geht der Blick los
von HK Rintelen




Mit ruhiger Hand

kugeln wir uns tut

gezielt biegen wir

uns den Horizont



im Dauerlachen

keine Wolken bitte

Details interessieren uns

nicht die Realität



aufgesattelt zum

Höhenflug Blitzlicht

mit Donner Lächeln

schmieren wir ab



Sturm pfeift unsere

Namen Wogen gehen

hoch wo hingegen

frei im Fall wir noch

der Lust frönen


Sonntag, 22. November 2015

Ein Sonntagsgedicht - 21. November 2015

Postrevolutionär
von Heinz Kurt Rintelen 

Wir segeln jenseits

der Parteitage

ins offene Meer

zwischen den Masten

der Geisterschiffe

pfählen wir uns

längst im freien Fall

werfen unsere innere

Landschaft der Lüge

ins Maul

(2015)


Eine kurze Interpretation:
Ein Gedicht das aus meiner Sicht die politische Befindnis der österreichischen (politischen) Gesellschaft widerspiegelt. Bereits im Jahre 2013 hatte der Standard getitelt: "Land der Lügner?". Und auch die Verarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs wird von "Verdrängung und Lügen" beherrscht. Man fühlt(e) sich als Opfer nicht als Täter. "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus fallen einem in diesem Zusammenhang ein. Nur langsam beginnt man auch in Österreich mit der historischen Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit.

Reinhard Mermi
Blog-Redaktion

Samstag, 21. November 2015

Gedicht von Richard Mösslinger:



Gegensätzlichkeiten

Draußen Licht,
innen Wärme,
außen Nacht,
innen Tag.
Vertrautes
jederzeit
spür-/erlebbar.
Gegensätzlichkeit
als Verhängnis
Im Erforschen.
Explosionen!
Dualwelten mutieren
zum Gebilde
„Zerrissene Unkenntlichkeit“ –
spiegeln trotzdem
Harmonie.

Samstag, 3. Oktober 2015

Ein "Sonntagsgedicht"




Wie Sisyphos den Tod überlistete.












*Klartext Interaktion*
von HK Rintelen 24.07.2015

Sisyphos rollt den Felsen
in unabänderlicher Matrix
wir manipulieren gerne
geh mir aus der Sonne
ruft Diogenes verzweifelt
als überzogene Unmündigkeit
jetzt aber mit Elan
unsere Meinung soll
hier Verbreitung finden
Athenes Bankkonto
leer geräumt, wie lächerlich
hausieren angesagt
selbst Zeus bettelt
um ein Schälchen Weinblätter
aber ohne bitteren Reis
Gaia kehrt ins Chaos zurück
derweil Hades und Ares herrschen
Hermes schämt sich zu Tode
und wir tun Gutes



Freitag, 15. Mai 2015

Schwarzwald-Gedicht von Ernest Hemingway


Obwohl Hemingway in späteren Texten den Schwarzwald bildhaft schön darstellte, fügte er irgendwo immer eine düstere Bemerkung ein. Sein lange unbekanntes, in der Neuen Zürcher Zeitung 2009 erstmals veröffentlichtes Schwarzwald-Gedicht kann als Beispiel gelten:

Wie weißes Haar im Silberfuchs-Pelz
Lehnen die Birken gegen den dunkeln Kiefernhügel
Im Abteil wird Deutsch gesprochen.
Jetzt winden wir uns hinauf
Durch Tunnels
Schnaubend.
Dunkle Täler mit rauschenden Bächen,
Voller Felsen, weiß eingezäunt.
Finster blickende Häuser.
Grüne Felder
Aufgeforstet mit Hopfenstangen.
Eine Schar Gänse die Straße entlang.
Ich kannte mal einen Zigeuner, der sagte,
Hier wolle er sterben. 

(Ernest Hemingway) 

Sonntag, 26. April 2015

bergen-belsen



von Reinhard Mermi 

mit jedem ring umhüllt
die zukunft ihre ver-
gangenheit läßt
bäume im erinnern
wachsen im fieder-
grün der gegenwart

gedanken tropfen her-
ab aus harziger rinde
kostet man der erde
bitterkeit

(2009)


Weiterführende Links:
Reinhard Mermi auf Facebook




Montag, 30. März 2015

Solange die Sonne noch scheint



von Josef Graßmugg


Ein zarter Windhauch
vom Garten, duftbeladen,
trägt Stimmen zu mir.

„Julia, ich weiß, dass ich mich blöd benommen habe. Es tut mir auch leid…“
Zweifellos ist es die Stimme eines jungen Burschen, die zwischen Sträuchern und Hecken hörbar ist. Ich sitze gemütlich auf der Terrasse des kleinen Hotels und genieße die ersten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres. Gleichzeitig sind es die letzten des Tages.
Ungewollt höre ich die Worte eines Gespräches, das nicht für meine Ohren bestimmt ist.
„Du hast mich vor deinen Freunden blamiert.“ höre ich jetzt die weinerliche Stimme des Mädchens „Warum gehst du nicht wieder zu ihnen? Macht euch doch lustig über mich...“
Es ist mir peinlich, als unsichtbarer Dritter Zeuge dieses Gespräches zu sein. Aber soll ich jetzt dieses wunderbare Plätzchen verlassen? Mir bleibt längstens noch eine halbe Stunde, in der ich die Sonne genießen kann. Dann wird es Zeit, der Kühle des Abends zu weichen.
„Ich hab dir doch gesagt, dass es mir leid tut.“ Die Stimme des Burschen klingt mindestens genauso verzweifelt, wie jene des Mädchens.
Obwohl es traurig ist, den beiden zuzuhören, ist es auch amüsant.
Beide wissen, dass da etwas schiefgelaufen ist.
Beide wollen, dass alles wieder ist, wie vorher.
Trotzdem finden sie nicht zueinander.
Unwillkürlich muss ich an meine Frau denken. Haben wir diese Situation nicht auch erlebt? Mehrmals erlebt? In den gleichen und in vertauschten Rollen?

Dieser Tag, so leer,
ausgehöhlt von Stolz und Scham.
Sehnsucht nach Gestern.

Plötzlich habe ich das Bedürfnis, meine Frau anzurufen. Ich stehe auf und will in mein Zimmer gehen. Doch irgendetwas hält mich auf der Terrasse. Ist es die Kraft der Sonne? Ist es das Gefühl, mich nicht davonschleichen zu wollen, als ob ich etwas Verbotenes getan hätte? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Jugendlichen irgendwo da draußen im Garten mein Gespräch ruhig mithören dürfen.
Ich rufe den ersten Speicherplatz meines Handys auf.
„Hallo Schatz, meine Arbeit für heute ist erledigt. Ich bin schon im Hotel.“ Mit Sicherheit ist es keine gespielte Höflichkeit, die mir aus dem Handy entgegenkommt. Ich spüre, dass sich meine Frau über den Anruf freut.
„Morgen komme ich nach Hause. Dann lassen wir es uns übers Wochenende gut gehen. Wenn das Wetter so bleibt, müssen wir unbedingt einen Ausflug machen. Nur wir beide. Vermutlich haben die Kinder ohnehin schon andere Pläne.“ Die Bestätigung kommt umgehend. Beide Töchter sind zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Erfahrungsgemäß beanspruchen derartige Partys den Großteil des Wochenendes. Wenig überraschend für mich gesteht mir meine Frau, dass auch sie hinaus in die Natur will.
„Dann ist ja alles klar. Ich hätte da auch schon eine Idee, was wir machen könnten: Was hältst du davon, wenn wir wieder einmal in dieses Dorf fahren, wo wir uns damals beim Jugendausflug zum ersten Mal näher gekommen sind; und wir machen dort in der Umgebung die gleiche Wanderung, die wir damals gemacht haben?“
Meine Frau ist zwar ein wenig verwundert, wie ich ausgerechnet auf diese Idee komme, willigt aber sofort ein.
„Das heißt, falls es diesen Weg überhaupt noch gibt. Vielleicht gibt es sogar noch dieses Gasthaus, wo wir damals den Bohnensterz gegessen haben. Ich kann mich noch genau erinnern, dass du zum ersten Mal einen gegessen hast.
Ich merke schon, ich komme ins Schwärmen. Aber ich freu mich wirklich schon drauf.
Weißt du noch, wie meine Freunde und ich dir vorwarfen, du seist eine eingeschleuste Burgenländerin oder Kärntnerin, weil du bis dahin keinen Steirischen Bohnensterz gekannt hattest?“
Natürlich kann sich auch meine Frau noch daran erinnern. Heute sorgen solche Episoden auch bei ihr für Heiterkeit – obwohl sie damals ziemlich gekränkt war.

Worte und Taten
können alles zerstören –   
oder Beginn sein…

„Weißt du was, Schatz? Ich leg jetzt auf. Ich glaube, ich mach noch einen kurzen Spaziergang. Wir sehen uns dann morgen. Ich hab dich lieb.“
Ich beschließe, quer durch den Garten in Richtung Wegkreuz zu wandern, das ich in einiger Entfernung erkennen kann.
Nach wenigen Schritten entdecke ich auf der Holzbank zwischen den blühenden Kirschbäumen zwei Personen. Auch wenn ich sie vorher nie gesehen habe – ich weiß, dass es die beiden sind, deren Gespräch ich vorhin mitgehört habe. Nichts deutet mehr auf einen Streit hin.
So wie sie noch vor wenigen Minuten nicht gemerkt haben, dass ich sie höre, so scheinen sie jetzt nicht zu merken, dass ich sie sehe. Zufrieden lächelnd gehe ich an ihnen vorbei. Ich freue mich schon auf morgen.

Sonnenlicht atmen,
in den Himmel sich träumen –
Liebe erleben.