Donnerstag, 18. August 2016

Eine "Einladung zur Lesung"





2 Männer – 1 Frau

Miteinander – Nebeneinander – Durcheinander


Einladung zur Lesung
6. August 2016
14.30 Uhr
Cafe Renate
(Wienerstrasse 87 – 8605 Kapfenberg)




Ein sommerlicher Spaß, gute (Gitarren) Musik, Texte na ja, rund um das Menschliche-Allzumenschliche, das uns alle an- und umtreibt.
Schmankerln literarischer, musikalischer Art und von der Theke würden durch den Nachmittag begleiten.

Freunde mitzunehmen ist ausdrücklich erwünscht (und der Kauf von Büchern sowieso)

Auf Euer Kommen freuen sich

Andrea-Volitiva, Hans und Wolfgang

Montag, 25. Juli 2016

Buchbesprechung von Hans Bäck



Warten auf Beckett

Sprachminiaturen von Rudolf Kraus
(Verlagshaus Hernals, ISBN978-3-902975-37-9)


Gut, dass im Anhang Hinweise sind, wer die Personen waren/sind, welche in den Miniaturen vorkommen. So ist es auch Maturanten der österreichischen Schulen möglich zu erfahren, wer beispielsweise Wislawa Szymborska, Giordano Bruno oder Johannes Urzidil waren. Der Rezensent hatte im Jahre 2015 erlebt, dass sechs Maturanten aus fünf Klassen einer Handelsakademie mit dem Namen Rainer Maria Rilke nicht anzufangen wussten. So ist es begrüßenswert, dass auf diese Art Nachhilfeunterricht erteilt wird. Wobei zu befürchten steht, dass jene, welche die Nachhilfe brauchen würden, diese Sprachminiaturen gar nicht in die Hand bekommen.  Als nächste Befürchtung äußert der Rezensent, dass die Damen und Herren mit einem Text wie „wenn die fackel brennt/blenden die wahren heuchler/mit sanfter zunge“ gewidmet Karl Kraus auch nicht viel anfangen könnten. Na ja. Lassen wir das, das Jammern über das Niveau der österreichischen Schulbildung ist nicht Gegenstand einer Rezension eines Werkes von Rudolf Kraus.
Fünfunddreißig „Sprachminiaturen“ legt Kraus nun vor. Für Geister, Widmungen, Dedikationen, zu gedichtet und Freundschaft überdauert die Zeit (amicitia vincit horas) ist einmal eine „grobe“ Einteilung – darf man bei diesen Texten überhaupt von „grob“ schreiben oder auch nur daran denken? Aber ja, Kraus spricht aus, was es ist – beispielsweise in der Widmung an Giordano Bruno: „Unhörbar schrie er/zum himmel/aufblickend/als man ihn verbrannte. Diese Sprachminiaturen sind geschliffen, aber nicht glatt, abweisend. Geschliffen im Sinne von bearbeitet, und gerichtet. Zielgerichtet, wie es eigentlich in der Lyrik kaum mehr vorkommt. Es ist nichts im Nebel der Wörter verborgen, aber es sind wunderbare und kraftvolle Bilder welche der Dichter uns anbietet: „der schlaf hat innere augen/und mit welchem auge du dann siehst/entscheidest nicht du/etwas kommt unerwartet/unermesslich einzigartig/gespenstisch/wie ein nie erlebter/nie dagewesener/kuss (der Beginn einer „Zudichtung“ an Henry Miller).
Da haben wir schon etwas in der Hand, das einmal über die Lektüre eines Sommerabends hinaus geht.  Ein Bändchen, das man gerne liegen lassen kann, es nicht sofort in den Bücherschrank einordnen muss und immer einmal zur Hand nimmt. So an einem ruhigen Abend, mit einem Glas Wein oder im Gedanken an Vergangene, Vergangenes wie den Klub der 27.
Rudolf Kraus, kraushaarrudi auch genannt, ein höchst produktiver Autor aus Niederösterreich in Wien und Bad Fischau lebend, erfreut und überrascht immer wieder mit Miniaturen, wie er bereits einmal in einem Band angekündigt hatte: „Ein Ende ist nicht abzusehen“ Fein, lieber Kollege! Wir warten drauf!


Hans Bäck, Kapfenberg

Montag, 13. Juni 2016

"Und dann fängt die Vergangenheit an..." - Buchbesprechung



Yves Rechsteiner
Und dann fängt die Vergangenheit an
Erzählungen
Verlag Waldgut zoom
ISBN 978-3-03740-111-8


Natürlich, früher schrieben wir von unseren Urlaubseroberungen in Bella Italia oder im längst vergangenen Jugoslawien. Heute sind die Eroberungen und damit auch die Verluste (oder das Verlassen werden) weltweit gestreut. Man aber auch Frau nimmt ihren Rucksack und macht die Türe hinter sich zu und das war es dann auch – meistens wenigstens. Man/frau bummelt einige Wochen, wenn es hoch hergeht einige Monate durch die Welt, billigst, schaut voll Abscheu auf jene Touristen, welche die internationalen Hotels, Strände, Sehenswürdigkeiten frequentieren, erlebt dafür das bereiste Land hautnah, bis hin zum lästigen Guide, der dich unbedingt durch Tanger führen will und dir alles Mögliche an Erlebnissen zusichert. Gut, das passiert dem 08-15 Touristen auch, was ist nun so anders an den Erzählungen Rechsteiners? Zwölf sind es, sie bewegen sich von der heimatlichen Schweiz über den gesamten Erdball um wieder zurück zu kommen.
Und doch, es sind keine Reiseberichte, es sind keine Erinnerungen an exotische Liebschaften (das vielleicht auch), es sind grauenhafte Erlebnisse anderer oder solcher, an denen man/frau selbst beteiligt war. Die Frau aus der Jugend, die verschleppt, gedemütigt, vergewaltigt wurde, der Freund, der sich nach Jahren mit den Klassenkameraden trifft, „auf ein, zwei Biere“ und dann nachsieht, wie die Kumpel verschwinden. Die Überlegung ob es ein nächstes Mal geben soll, erübrigt sich. Wie sich so vieles erübrigt in diesen 12 Erzählungen. Wie so vieles offen bleibt, wie so vielem auch gar nicht nachgefragt wird. Tränen bleiben, Erinnerungen, vielleicht einmal eine Verbitterung, ein schlechtes Gewissen für ein paar Augenblicke. Türen werden hinter sich zugeknallt. Zigaretten in Unmengen geraucht, Rum mit Cola gesoffen, enge Tops über braun gebrannte Oberkörper hochgeschoben. Eigentlich alles sehr klischeehaft möchte man nun meinen. Wenn da nicht etwas wäre.
Ja, wir haben solche Erzählungen schon gelesen, haben von Nelke, von Joaquin gewusst. – Doch dazwischen in den kleinen Räumen zwischen den Zeilen, zwischen den Sätzen, ja sogar zwischen den Buchstaben verbirgt sich der Autor, verbirgt sich die Welt, die er in Übermaß gesehen und erlebt hat. Er muss nicht anhand von GoogleEarth die Straßenpläne exotischer Städte schildern, das hat Yves nicht nötig, er nimmt uns an der Hand, lädt uns seinen Rucksack auf (mit Schweizer Pass reist es sich tatsächlich leichter!!) und dann haben wir plötzlich den Duft von Orangen in der Nase, wenn wir über einen heimischen Markt gehen, wenn du fällst, dann fällst du schon richtig, so auf die Fresse, wie es sich gehört, keine halben Sachen und so. Es ist die Vergangenheit, es sind die Vergangenheiten, die immer schon da waren, die uns nicht loslassen, und wenn du selber noch nie in Saigon mit einem französischen Mädchen unterwegs warst, so ist es doch, dass es dich erinnert, wie es damals ... Maxine muss sie nicht geheißen haben, auch nicht Anne,  oder Joan. Erinnere dich einfach, wie es damals war, als du mit ... in ...
Dann beginnen auch deine Vergangenheiten und sie sagen dir, flüstern dir ins Ohr (ich komme wieder, ganz bestimmt) und du weißt, auch das war eine Täuschung, sie/er kam nicht wieder. Dabei ist es egal, ob er/sie in Tanger, in Bibione, Trieste oder Crkvenica wartet(e). Es sind teilweise bedrückende Erinnerungen, Vergangenheiten, die der Autor da ins Gedächtnis zurück ruft, aber so ist/war das Leben und Yves schildert ein pralles Leben, nicht nur und ausschließlich an exotischen Schauplätzen, auch die heimische Bierkneipe hat ihren Platz.
Nun ziehe ich einige Vergleiche zu einem Band mit Erzählungen eines anderen Schweizer Autors vor einige Wochen. Ist es eine Schweizer Gemeinsamkeit, die Suche nach der Stärke im Partner, in der Partnerin? Oh ja es gibt nicht nur sprachliche Parallelen zwischen Yves Rechsteiner und Martin Stankowski, es ist so eine Schweizer Eigenheit zu lesen oder bin nur ich als Rezensent darauf fixiert. Eine Eigenheit, abseits vom Käse, den Schweizer lt. Yves schon zum Frühstück essen, den glücklichen Kühen bei Martin, den Schokoriegeln beider, die das gewisse Etwas der Schweizer Literatur ausmacht. Und das zu erleben, zu erlesen ist spannend, über die Spannung der vorgelegten Erzählungen hinaus! Ja, ein Leseerlebnis sind die Vergangenheiten, in die uns Yves Rechsteiner einlädt.
Ives, ein Weltenbummler, seit vielen Jahren auch immer wieder mit Beiträgen im Reibeisen des Europa Literaturkreises vertreten, lebt jetzt (einmal) in Basel, wenn er nicht gerade irgendwo weltweit unterwegs ist. Er ist Musiker („zwei Wochen später trat er durch die Tür der Zweizimmerwohnung, in der Hand einen Koffer und eine Gitarrentasche“), Dichter, liebt das unkonventionelle Leben des Bohemiens rund um den Erdball. Yves schreibt Hörspiele, Theaterstücke, Gedichte. Sein Romandebüt gab er 2015 mit „Als läge dort tot der Vater“ (Marta Press).
Ich freue mich auf ein nächstes Buch von Yves oder sollte ihn sein Weltenbummel gar zur Biennale im Oktober nach Kapfenberg beringen, wäre das ein Hit!

Hans Bäck

Mittwoch, 8. Juni 2016

Veranstaltungshinweis des ELKK für den 16. Juni 2016



Europa Literaturkreis                                      
 Veranstaltungshinweis





Literaturcafé

Gespräche über literarische Gedenktage, Vorstellung neuer Bücher, u. v. m.
Diesmal besprechen wir u. a. Leben und Werk von Inge Müller (50. Todestag), und Gertrude Stein (70. Todestag).
Natürlich besteht auch für Gäste die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren vorzustellen.

Termin:           Donnerstag, 16. Juni 2016
Beginn:           18:00 Uhr
Ort:                 KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock

Donnerstag, 5. Mai 2016

Newsletter 3/2016 des ELKK

Liebe Mitglieder,
liebe Freunde des "Europa-Literaturkreis Kapfenberg"!

Für unser Kulturmagazin „Reibeisen“ Nr. 33 gilt: Die Zeit des Wartens ist vorbei (zumindest für all jene, die bei der Präsentation in Kapfenberg und/oder Wien anwesend waren bzw. ihr Belegexemplar bereits am Postweg erhielten – der Versand der Belegexemplare ist allerdings noch nicht abgeschlossen).
Fotos von den Reibeisen-Präsentationen gibt es auf unserer Homepage unter www.europa-literaturkreis.net/galerie.htm

Der Termin für unsere diesjährige Jahreshauptversammlung steht noch nicht endgültig fest, wird aber spätestens Mitte Mai „kundgetan“. (Voraussichtlich 02.06.2016.) Sollte jemand einen Antrag an die Generalversammlung richten wollen – bitte so bald wie möglich einbringen!

Auch diesmal gilt es, von einer Buch-Neuerscheinung zu berichten: Friederike Krassnig veröffentlichte unter dem Titel „Wetterleuchten“ einen weiteren Lyrikband. Für dieses Werk gilt – so wie für alle Publikationen unserer Mitglieder, die in den vergangenen zwei Jahren veröffentlicht wurden – die Einladung zur öffentlichen Präsentation im Rahmen der 4. Kapfenberger Literatur-Biennale.
Der Termin 28. – 30. Okt. 2016 ist bereits fixiert. Schon jetzt die Einladung: Bitte meldet euch, wenn ihr ein neues Buch vorzustellen habt!

In diesem Zusammenhang: Das nächste Buch von Joachim Gunter Hammer „SING ZIKADE SING“, 17-Silber mit 17 Bildern von Barbara Zoe Sammer,
ISBN 978-3-902975-34-8, Verlagshaus Hernals Wien, erscheint im Juni 2016.


Für alle Mitglieder in und um Kapfenberg:
Auf Grund des Feiertages (Christi Himmelfahrt) am kommenden Donnerstag entfällt unser wöchentlicher Klubabend im KUZ!

gez.
Josef Graßmugg
1. Vorstand

Wetterleuchten




Gedichte von Friederike Krassnig
ISBN-978-3-9500299-7-0

Es ist ein Abenteuer, 2015/2016 einen Band mit Gedichten herauszubringen. Und es ist noch mehr Abenteuer, wenn diese Gedichte keinesfalls dem „Mainstream“ entsprechen. In einem persönlichen Briefchen erläutert die Autorin auch ein wenig ihre Beweggründe. So ist zu entnehmen, dass dies auch ein persönliches Geschenk zu ihrem eigenen 85. Geburtstag sei. Dazu, liebe Friederike Krassnig, einmal vorab die herzlichsten Glückwünsche und senden Sie uns für das Reibeisen noch recht lange Ihre sehr geschätzten Gedichte, wir freuen uns jedesmal darüber.
Eingeleitet wird der Band von einem Gedicht der Enkelin, die hiemit auch bezeugt, dass die sprichwörtlichen Äpfel nicht weit von den Stämmen fallen – schön, dass hier womöglich eine Tradition weiterlebt. Wir sind gespannt auch von Mira Jana Krassnig weiteres zu lesen!
Natürlich, der flüchtige Leser wird womöglich die Nase rümpfen - ‚das sind doch Gedichte aus einer fernen, vergangenen Zeit!’ Na und? Wenn sie so gut gemacht und gekonnt sind, wie diese Sammlung von Texten der Autorin, die ja auf eine reiche Schaffenszeit zurückblicken kann, liest man gerne ein wunderschönes Gedicht über die Mondraute oder die Kugeldistel, die Trauerhasel. Wenn Friederike Krassnig den Reim verwendet (selten genug), dann kann der Leser sicher sein, „sie kann es“ das ist kein hilfloses Reimgeklingel, sondern da stimmt Rhythmus, Silbenzahl und Metrik. Meist aber schreibt die Autorin in freier Sprache und doch gelingt es ihr dabei, die Poesie z. B. eines Tatoos, eines Piercings einzufangen und wiederzugeben. Die verwendete Strophenform ist keine, um dem Leser eine Poesie  vorzutäuschen, da werden keine Prosasätze aneinander gereiht und durch willkürliche Zeilenschaltungen Gedichte vorgetäuscht. Nein, diese Art von Leserbeschwindelung hat Friederike Krassnig nicht nötig. Ihre Poesie, geschöpft aus einem langen erfüllten Leben als Schriftstellerin, begründet aus einem genauen Hinschauen und Hinhören in die Natur, ist ohne gekünstelte Modernität, sie ist aber trotzdem von einer atemberaubenden Aktualität. Wenn ihr auch das bildliche Wahrnehmen der Natur durch ihre fortschreitende Erblindung immer weniger möglich wird, so kann sie aus einem reichen Bilderfundus schöpfen und dies dem Leser vorlegen. Stellvertretend für viele Texte in dem schmalen Bändchen, möchte ich ein Gedicht hier vollständig wiedergeben, dass meines Erachtens die Sprache und Bildkraft der Autorin beispielhaft wiedergibt:

Vogelleicht

Federnblitze
Im Wandschatten
Zaubern in
Mauerrisse
Nester
Meiner Gedankenbrut.

Sie skizziert
Im Zeitraffer
Noch Leben
In den Nachthimmel
Im Zeichen des Widders
Der traumhaft
Sichtbar wird
Für tagblinde Augen.

Mögen die tagblinden Augen der Friederike Krassnig noch lange viel aus dem Inneren schöpfen und uns in so schönen Texten vorlegen. Und möge die Enkelin Mira Jana der Großmutter noch gerne zur Seite stehen und helfen, dass wir von Beiden zu lesen bekommen!


Hans Bäck
Kapfenberg