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Freitag, 12. Mai 2017

Hans Bäck - Newsletter Nr. 2/2017



Na, wie wird es weitergehen?
(s. auch Blogeintrag vom 3. Mai 2017)

Da haben wir – 1 Frau und 2 Männer – mit unserem literarischem Kabarett einige Zeit hindurch die Gegenden um Kapfenberg beglückt oder unsicher gemacht – je nach Betrachtungsweise. Vorerst ist einmal Pause angesagt.
Schöpferische Pause. Da wäre der mehrfach angekündigte 2. Band nach dem „Miteinander, nebeneinander, durcheinander“   Material hätten wir ja schon genug. Dabei stellt sich die Frage, sollen wir einen “offiziellen“ Verlag dafür suchen oder so wie bisher in Eigenregie arbeiten und die Einkünfte alle selbst für uns verbuchen (und versteuern) oder doch jemand der sich um die Kleinigkeiten wie Druck, Herstellung, ISBN, usw kümmert (wie eigentlich??) mitschneiden lassen?
Gut, aber das ist ja zweitrangig, zuerst müssen wir uns über die Texte, Inhalte usw. einig werden und dann kann es losgehen – was ja kein Problem ist, denn Ideen und Texte haben bereits mehr als genug.
Was ja nicht heißt, dass wir keine weiteren Auftritte mehr machen! Ganz im Gegenteil, wer uns haben will, bekommt uns (gerne und kostengünstig). Über Fahrtkosten, Honorare usw. können wir natürlich reden – eine Lösung wird sich immer finden lassen!
Sagen wir einmal so, ab Ende Mai sind wir wieder einsatzbereit – „2 Männer  + 1 Frau“

Aber, da gibt es ja vieles Anderes auch. Da habe ich mein Projekt über Vorkommnisse in Triest und Umgebung zu schreiben. Seit Jahren verfolgt mich dieser Plan,
diese Stadt ist so verdammt schön,  dass es mich immer wieder dort hin zieht und sich mein Projekt vertieft und der Schreibdrang zunimmt. Vielleicht, das nächste Mal, wenn ich dort bin und dem da auf den Kopf greife geht was weiter?

Der Sankt James J. möge mir helfen!

Ja, ein anderes, ebenfalls uraltes Projekt gibt es auch noch, das umzuarbeiten und fertigzustellen wäre. Aber dazu brauche ich viel Luft, die mir derzeit noch fehlt.

Das Manuskript „Unterwegs an den Küsten Alt-Österreichs“ ist auf Verlagssuche, vielleicht wird was draus. Dann hätte ich halt zusätzlich die Lesereisen einzuplanen – aber da soll es bekanntlich Schlimmeres geben!

Hafen von Duino an einem typischen Frühlingsmorgen!

Jedenfalls, für alle an meiner Literatur Interessierten, noch raste ich nicht, noch bin ich voll Ideen und Tatendrang, nur dauert es halt inzwischen schon ein wenig länger, bis wieder ein Kapitel eines Manuskriptes abgeschlossen ist. Habt Geduld, ich komme schon noch und werde euch rechtzeitig über meine Neuerscheinungen informieren!

Danke für das Interesse an unserem Kabarett, danke an meine kongenialen Partner Andrea – Volitiva und Wolfgang Lammer, wir machen weiter!

Und denkt daran, der Europa Literaturkreis Kapfenberg bringt nicht nur jedes Jahr ein Reibeisen heraus (heuer schon zum 34. Mal!), sondern hat unendlich viele Veranstaltungen während des Jahres im In- und Ausland, die Kolleginnen und Kollegen schreiben ebenfalls „wie wild“ und es gibt immer wieder Neuerscheinungen aus unserem Kreis – nachzulesen auf der Homepage

und alles über unser Literarisches Kabarett findet Ihr auf www.durcheinander.or.at neue Termine, Bilder von unseren Auftritten, Textproben usw.


Über Euer Interesse an unseren Arbeiten, an meinen und der meiner Freunde, freue ich mich und danke Euch dafür – haltet mir weiterhin die Treue.

Mein nächster Literatur Newsletter folgt dann im Sommer!

Hans Bäck
Member of PEN Trieste,
Mitglied des Europa Literaturkreises, sowie
FDA-NRW, ÖSV/AWA, Podium
Kapfenberg
Tel. 0043/676/513 6045
alt. 0043/664/837 33 13
Grillparzerstraße 8
A 8605 Kapfenberg

Montag, 19. Oktober 2015

Lesung in Berlin-Mitte: Kindheit in Deutschland - Kindheit in Polen. Prosa und Gedichte







Dzieciństwo w Polsce – Dzieciństwo w Niemczech. Proza i Poezja Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen. Prosa und Gedichte
 


Liebe Freunde, Kollegen und Literaturinteressierte.
Ja, das war es. Drei Lesungen, drei unterschiedliche Städte, wechselnde Autorinnen und Autoren, aber immer ein interessiertes Publikum, konnte ich erleben. Und immer „unendlich“ lange Lesungen. Polen ist als „literaturverrücktes Land“ bekannt, noch während der kommunistischen Zeit war es üblich, dass Gedichtbände mit einer Startauflage von 15000 Exemplaren erschienen sind (und die wurden auch gekauft), aber auch in Berlin und Potsdam haben die Besucher/Zuhörer ausgehalten. Eine Lesung über fast drei Stunden ist eigentlich – nach gängiger Ansicht – dem Besucher nicht zuzumuten. Doch, doch, es klappte, auch wenn während der Pause auch einmal Einer (Eine) verschwand, blieben die Reihen doch gefüllt. Die Diskussion nach jeder Lesung zeigte auch das Interesse der Menschen. Das Interesse an der Literatur, aber auch an den Autoren und deren Erzählungen. Auch der österreichische „Exote“ und sein Beitrag wurden hinterfragt und behandelt. 
Lesung in Berlin-Mitte in der Stadtbibliothek Luisenbad (von rechts: Marek Czuku, Jens Grandt, Justyna Fijalkowska, Bozena Boba-Dyga, dahinter Heinrich von der Haar, Heidi Ramlow, dahinter: Maik Altenburg, Lucia Dudzinska, Hans Bäck)
Bildquelle: Hans Bäck
Die Lesungen gehen ja noch weiter, bis zum 5. Dezember wird noch an 12 Stationen gelesen und diskutiert. Es zeigte sich, dass die Kindheit, egal ob die Nachkriegs-, Aufbaukindheit oder jene der „ruhigeren“ Jahre behandelt wurde, das Interesse weckte und zur Stellungnahme herausforderte. Nicht nur einmal wurde mir von anwesenden Damen gesagt, „ja so ähnlich haben wir und unsere Mütter diese Zeit erlebt“ Dabei ging es der Veranstaltungsreihe nicht um Chronik (ein wenig schon auch), sondern darum, bestehende Grenzen abzubauen. Es gab diese Grenzen zwischen Polen und Deutschland, es gibt sie teilweise noch immer, jahrhundertelang ist man sich gegenseitig nichts schuldig geblieben, hat Schuld angehäuft und vergessen diese abzutragen. Nun, ein kleiner aber wesentlicher Beitrag ist damit geschehen. Der ehemalige Kultusminister von Brandenburg Dr. Enderlein wies in Berlin und Potsdam darauf hin, dass es an der deutschen Seite liege, mit dem Abtragen des Schuldberges fortzufahren und sich nicht darauf zu verlassen, es seien nun andere, neue Generationen tätig. Als Lücke empfand ich es, dass gerade von der polnischen Seite meine Generation überhaupt nicht vertreten war, ist das noch womöglich eine Grenze, die besteht???
Kommen wir zum literarischen Teil der Lesungen. Natürlich, es lässt sich nicht über einen Kamm scheren, dazu sind die Stilarten, die literarischen Formen, die behandelten Themen zu unterschiedlich. Aber der Herausgeber Heinrich von der Haar hat es tatsächlich geschafft, ein hohes Niveau aller Beiträge sicherzustellen. Auch wenn es sich manchmal um Texte handelt, die durchaus dem Experiment zuzuordnen wären, die impressionistisch angehaucht, Lyrik und erzählende Prosa, berührende Lyrik zu Auschwitz, erhebende, beruhigende Kindheitserinnerungen – alles hatte wohlgeordnet Platz bei den Lesungen und in der Anthologie. Um der noch immer vorhandenen negativen Polung und der weitgehenden Sprachlosigkeit über die Grenzen hinweg zu begegnen, wie der Herausgeber betonte. Sagen wir es einmal sehr beckmesserisch: Wenn auch bei den Texten kein einziger DAS alles überragende Meisterwerk ist, so ist die Gesamtanthologie durchaus ein solches!
Was bleibt? Eine Fülle von Freundschaften, Kontakte mit Autoren aus Polen für unser Reibeisen (wir hatten ja schon eine ganze Reihe polnischer Autoren in den vergangenen Jahren) und die Idee, das Verlangen, dies fortzusetzen. Es gibt ja auch bei uns in der Steiermark Menschenschicksale, die den Geschilderten gleichen: Zerstörung, Zerfall, Vertreibung, Flucht und Neuanfang. Und das sind nicht nur die Heimatvertriebenen des Zweiten Weltkrieges (die auch, deren Schicksale wäre ebenfalls literarisch aufzuarbeiten, historisch hat das Dr. Josef Kaltenböck in den früheren Reibeisen bereits gemacht), das sind die vielen „neuen Bürger“ in unseren Städten, diejenigen, die als Gastarbeiter kamen und geblieben sind, da sind die vielen Menschen mit Migrationshintergrund und deren Kinder, die unsere Volksschulklassen bevölkern. Da wären Schicksale aufzuarbeiten, da wären aber auch Grenzen abzuarbeiten. Beginnen wir damit, bevor es Schuldberge werden. Mit der albanischen Community gab es ja schon einen ersten Versuch in Kapfenberg, das wäre fortzusetzen, zu erweitern. Und es wäre schön, nein, es wäre notwendig und anständig, auch Kollegen, die in der Anthologie vertreten sind, zu uns einzuladen. Ein wenig Geld müsste man dafür in die Hand nehmen, vielleicht bei den Sitzen im neuen Eisstadion ein wenig einsparen (die Sitze im VIP Bereich etwas weniger luxuriös gestalten) und dafür sagen wir einmal € 10 000 für ein Literaturtreffen Polen/Deutschland/Steiermark und unsere neuen Bürger vorzusehen und zu budgetieren. Ich kann persönlich garantieren, die Kollegen würden nicht in 1. Klasse der AUA oder LOT sondern in der normalen Touristenklasse anreisen – womöglich auch als Gruppenreise per Bahn. Sie sind ja bescheidene Dichter und keine Politiker, die es gewöhnt sind, auch auf Reisen verwöhnt zu werden.
Was bleibt: Eine Freude, erst einmal überhaupt als Österreicher eingeladen zu sein, dann auch die Möglichkeit zu erhalten, an den Lesungen teilzunehmen. Eine neue Stadt – Krakau – kennen zu lernen und dabei Vorurteile abzubauen. Vorurteile, die letztlich dahin gingen, naja Polen und der Osten überhaupt. Ich habe Krakau als eine Musterstadt kennen gelernt, eine Stadt, deren Besuch zu empfehlen ist (auch den Kommunalpolitikern in D und A), die einfach wunderschön und gepflegt und sauber ist. Ich habe Freunde getroffen, die einfach wunderbare Literatur schaffen, trotz aller sprachlichen Schwierigkeiten kontaktfreudig sind und weltoffen. Es waren beglückende Erlebnisse in drei unterschiedlichen Städten mit interessiertem Publikum und spannenden Gesprächen über die vorgelesene Literatur. Und genau das meine ich, sollte nicht auf diese einzige großartige Lesereihe beschränkt bleiben. Kapfenberg rühmte sich einst (Dr. Mikesch ist diesbezüglich nachzutrauern) eine Kulturstadt zu sein, immerhin schaffte es Kapfenberg in den Jahren des einsetzenden Wiederaufbaues, eine Musikschule zu gründen, eine Stadtbücherei aufzubauen, (ganz Kärnten har bis heute noch keine vergleichbare), Künstlerförderung zu betreiben durch gezielte Ankäufe von Kunstwerken, und Kulturtage abzuhalten, welche damals internationale Bedeutung hatten und entsprechendes Echo fanden (ohne eigenartige Bewegungstherapien in den Straßen Kapfenbergs). Trotzdem in einer Zeit, in der die Heimatvertriebenen noch in Baracken hausten, die Werksanlagen zum Großteil noch zerstört waren, die Infrastruktur neu aufzubauen war, es wurde auf die Kultur nicht vergessen. Ja, auch auf den Sport wurde auch damals nicht vergessen. In Zeiten großer Sorgen und beschränkter Mittel wurde Großes geschaffen – in Kapfenberg, in der Steiermark, in Österreich. Es wäre schön, wenn wir in Anthologien nicht einmal schreiben müssten, ja damals...

Mit dieser großen Hoffnung verbleibe ich mit meinem Rückblick auf eine spannende und großartige Lesereise!
Hans Bäck